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Ernährungsmythos im Check: Macht Fett wirklich dick?

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Ernährungsmythos im Check: Macht Fett wirklich dick?

Ernährungsmythos im Check: Macht Fett wirklich dick?

Bis zum heutigen Tag hält sich in vielen Teilen der Bevölkerung der Irrglaube: “Fett macht dick und krank!” Statt Butter, wird die in bunten Spots beworbene Margarine gekauft, statt dem Rumpsteak kommt die magere Putenbrust auf den Teller und anstelle des schmackhaften Rahmjoghurts, landet fettreduzierter Magerjoghurt im Einkaufswagen. Kurioserweise ist die Zahl der übergewichtigen Menschen heute doppelt so hoch ist wie noch vor 30 Jahren. Auch die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt stetig zu. Grund genug, sich mal die Frage zu stellen, ob die Behauptung “Fett macht dick und krank” tatsächlich noch haltbar ist.

Fett hebt natürlichen Geschmack

Nicht nur Sterneköche wissen: Ein gutes Stück Butter oder ein Schuss hochwertiges Pflanzenöl machen ein Gericht erst so richtig lecker. Der simple Grund besteht darin, dass die zahlreichen Aromen in natürlichen und industriell unverarbeiteten Nahrungsmitteln fettlöslich sind. Daher dienen Fette (dabei ist es erst einmal egal, um welche Fettsäuren es sich handelt) auch als Geschmacksträger. Das hat die Natur ziemlich gut eingerichtet, denn nur so können unsere feinen Geschmacks- und Geruchssensoren dem Hirn mitteilen, ob überhaupt ein Nährwert in dem Nahrungsmittel steckt.

Die große Täuschung

In fettreduzierten Light-Produkten stecken zahlreiche Aromen (natürliche und künstliche), die unserem Hirn vorgaukeln, es sei viel Fett enthalten – denn ohne Fett würde es wie oben erwähnt auf natürliche Weise gar nicht so vollmundig schmecken. Werden unsere Sensoren auf diese Weise getäuscht, sendet das Hirn einen Impuls an den Magen-Darm-Trakt, Prozesse in Gang zu setzen, um die Kalorien zu verwerten. Doch siehe da: Es kommen gar keine (oder aber nur wenige) Kalorien an – fatal für das (Gleich)gewicht des Körpers.


Die positiven Eigenschaften von Fett in Nahrungsmitteln

Fett ist ein wichtiger Nährstoff, der lebensnotwendige Fettsäuren enthält, mit denen unser Körper Hormone und Zellwände aufbaut. Zudem sorgt Fett dafür, dass unser Körper fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, D, E und K verwerten kann.


Mehr oder weniger das Gleiche passiert, wenn wir Lebensmittel zu uns nehmen, die sehr süß schmecken, statt Fruchtzucker jedoch chemische Süßungsmittel wie Aspartam oder Acesulfam K enthalten. Der Körper reagiert mit der Ausschüttung von Insulin, welches den Zucker in die Zellen transportieren soll – doch auch hier kommt nicht das an, was der Körper erwartet. Die Folge ist ein niedriger Blutzuckerspiegel durch das ungebrauchte Insulin, der später in einer Heißhungerattacke endet. Gibt man diesem Heißhunger nach, ist das Übergewicht vorprogrammiert.

Energiespeicher im Körper: Relikt aus der Steinzeit
Im Grunde genommen sind wir Menschen eine biologische Baustelle. Zwar hat sich unser Leben komplett verändert, doch unser Körper funktioniert mehr oder weniger noch wie in der Steinzeit.

Damals ernährte sich der Homo Sapiens vornehmlich von Beeren, Wurzeln und später auch von Getreide. Weil das Jagen ein stets gefährliches Unterfangen war, stand Fleisch (und damit Fett) nur selten auf dem Speiseplan.

Im Laufe der Zeit entwickelte die Natur ein ausgeklügeltes System, die Energie aus den Nahrungsmitteln zu speichern, um so für schlechte Zeiten vorzusorgen. Der Körper wandelte die Energie aus der Nahrung fortan in Fett um, welches dem Steinzeitmenschen auch bei seltenem Jagderfolg und damit seltener Aufnahme von Fett und Eiweiß genügend Energiereserven zur Verfügung stellt.

Bis heute funktioniert unser Körper auf die gleiche Art und Weise. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass wir nicht mehr auf die Jagd gehen, uns generell weniger bewegen und dafür viel zu viel Energie zu uns nehmen.

Studien bestätigen: Fett macht nicht zwangsläufig dick

Wie die Zeitschrift “Focus” berichtete, haben Forscher für das „American Journal of Clinical Nutrition“ die Daten von 120.000 Personen über einen Zeitraum von 16 Jahren ausgewertet. Das verblüffende Ergebnis:

Wer beispielsweise mehr Vollfettkäse aß, nahm deswegen nicht zu. Im Gegenteil: Die Probanden der Studie, die sich fettreicher ernährten, waren viel seltener von Übergewicht betroffen als jene, die sich fettarm ernährten.

Die Forscher lieferten auch direkt einen Erklärungsansatz: Wer sich fettarm ernährt, greift als Ausgleich gerne auf sättigende Kohlenhydrate oder zuckerhaltige Lebensmittel zurück, um überhaupt ein spürbares Sättigungsgefühl zu erleben. Bei einer bewusst Ernährung mit Fett hingegen, stellt sich dieses auch ohne Kohlenhydrate ein.

Kohlenhydrate die eigentlichen Dickmacher?

Auch Kohlenhydrate gehören zu einer bewussten Ernährung dazu. Allerdings gilt es hier zwischen einfachen, isolierten Kohlenhydraten und komplexen Kohlenhydraten, die einer von vielen Bestandteilen in einem Nahrungsmittel sind, zu unterscheiden. Grundsätzlich gilt: Je isolierter man etwas zu sich nimmt, desto schlechter ist das für die Gesundheit.

Als isolierte Kohlenhydrate bezeichnet man all jene Kohlenhydrate, die durch industrielle Verarbeitung aus einem Nahrungsmittel herausgelöst wurden. Dazu zählen zum Beispiel klassischer Haushaltszucker, Speisestärke und Weißmehl. 

Nehmen wir Zucker zu uns, reagiert die Bauchspeicheldrüse mit der Ausschüttung von Insulin. Dieses transportiert den Zucker, einfach ausgedrückt, in die Körperzellen, die diesen als Energie speichern. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel und unsere Blutgefäße werden geschützt. Sind die Zellen jedoch voll, wird der Überschuss in Fett umgewandelt und an allen möglichen Stellen des Körpers gespeichert – auch in Organen wie der Leber.

Und die Zellen sind schneller voll als man denkt: Durch die unterschiedlichen Namen der isolierten Zucker auf Lebensmittelverpackungen verlieren Verbraucher im Alltag oft gänzlich den Überblick darüber, wie viel Zucker sie eigentlich zu sich nehmen – selbst dann, wenn man sich bewusst und scheinbar kohlenhydratarm ernährt. Bei einer fettreduzierten Ernährung, bei der oft noch stärker auf gesüßte Lebensmittel zurückgegriffen wird, sind die Energiespeicher noch schneller voll.

Fazit: Die Mischung macht’s

Es ist also mitnichten so, dass es das “böse” Fett ist, welches nach dem Essen direkt auf unseren Rippen landet. Evolutionär bedingt macht Süßes viel mehr “Lust auf mehr” als Fett, was schnell zu einer übermäßigen Nahrungsaufnahme führt. Zwar ist es am Ende des Tages egal, ob der Energieüberschuss, der nicht durch körperliche Arbeit, Sport oder anderweitig ausgiebige Bewegung verbrannt wird, durch Fett oder Kohlenhydrate zugeführt wird, doch die Menge lässt sich durch fetthaltige Speisen viel genauer kontrollieren.

Um den größtmöglichen Sättigungseffekt zu erzielen, eine ausreichende Vitaminversorgung sicherzustellen und nur so viel Energie aufzunehmen, wie man auch tatsächlich benötigt, empfiehlt sich eine Ernährung, die sowohl aus Fetten als auch aus (komplexen) Kohlenhydraten, zum größten Teil aber aus frischem Gemüse besteht.

Tipp: Die Ernährungspyramide verdeutlicht sehr anschaulich, wie eine figurbewusste und gesunde Ernährung aussehen sollte. 

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